Ängste

Liebe Flirtblog-Leser,

da die Adventszeit am Wochenende beginnt, ist es wohl erlaubt heute mal etwas eher tiefsinniges zu einem sonst doch eher “leichtfüssigen” Thema einzubringen:

Immer wieder, wenn ich Trainings oder Einzelcoachings gebe, kommt irgendwann das Thema “Angst” zur Sprache.

Auch Schüchternheit ist im Grunde nichts anderes als Angst. Angst vor Ablehnung. Angst vor dem eigenen Versagen. Manchmal auch Angst vor der eigenen Zivilcourage. Daher sind meine Gedanken zum Thema Angst vielleicht auch für Dich ein sinnvoller und wichtiger Beitrag, um in Zukunft mutiger in allen Lebenslagen sein zu können - vor allem natürlich beim Flirten ;-)


Mein zukünftiger Ehemann wunderte sich darüber, dass ich so mutig bin. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich erklären kann, warum das so ist und meine Antwort darauf fällt recht “spirituell” und entsprechend der Fragestellung sehr persönlich aus - aber ein Blog ist immer eine sehr persönliche Angelegenheit und daher will ich das nicht weiter zensieren oder “zerreden” sondern senden…

Im Vertrauen darauf, dass es die richtigen Menschen finden wird. (Seht Ihr, es geht schon los!)

Ich bin nicht in der Kirche, denn ich kann mit Kirche nichts anfangen. Ich habe ein recht komplexes (oder vielleicht auch einfaches?) und offenes Verständnis von Glaube und Göttlichkeit, das keine Religion, die ich bisher kennen lernte tragen konnte.

Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit Buddhismus. Im Grunde deshalb, weil der Buddhismus der freiste Glaube ist und weil er den Menschen erlaubt zu zweifeln, wenn sie etwas nicht verstehen und zu fragen bzw. auch in Frage zu stellen. Auch deshalb weil der Buddhismus den Menschen im Grunde sagt, dass es Göttlichkeit gibt, aber dass Du selbst für Dich und Dein Leben verantwortlich bist.

Kein Gott lenkt Dein Schicksal - Du selbst tust es. Deine Handlungen werden in Resonanz mit und zu anderen Folgen haben. Die guten - wie die schlechten.

Viele Menschen im christilichen Glauben scheinen die für mich allerwichtigsten Worte ihres eigenen Gaubens vergessen zu haben:

Gott ist in Dir.

Und das bedeutet für mich im Grunde nichts anderes als: Du selbst bist Gott bzw. göttlich, denn Du erschaffst Dir selbst Deine Welt: Die Gedanken die Du denkst, sind die Welt.

Denkst Du, die Welt ist schlecht, dann ist sie es. Denkst Du es ist schlechtes Wetter - dann ist es schlechtes Wetter - ganz unabhängig von Temperaturen oder Niederschlag.

Nur für Dich - doch Du bist die einzig relevante Instanz denn Du bist Deine Gedanken - nur Du denkst sie - aber das immer.

Alles was Du siehst, wird erst durch Deine Gedanken zu dem was es ist - für Dich.

Hast Du Angst, wirst Du in Angst handeln und leben - und es wird Dir alles passieren, was Du fürchtest, weil Du es anziehst mit der Kraft Deiner Gedanken - wie ein Magnet. Weil uns immer das auffällt und passiert, worauf wir uns konzentrieren. Wenn Du genau weisst, was Du NICHT willst, wird Dir genau das immer wieder begegnen. Weil Du Dich darauf konzentrierst.

Ich glaube, das ist eine Erkenntnis, die als Siddartha Gautama erlangt, als er zum Buddah - zum “Erleuchteten” - wird:

Er sass unter diesem Baum, meditierte, dacht nach und plötzlich… hat er alles verstanden. Er hat verstanden, dass er die Welt ist, dass er ein in gewisser Form sein eigener Gott ist, weil er denkt. Dass er die Welt für sich erschafft, solange er sie erfährt und denkt.

Buddha, frisch erleuchtet hat auch erkannt, dass mit dieser Erkenntnis einhergeht, dass man verantwortlich ist. Nur sind viele Menschen nicht in der Lage, Verantwortung für sich zu übernehmen (ist doch leichter, wenn die anderen oder die Umstände schuld sind, nicht wahr?)

Also hat er versucht, den Menschen Regeln an die Hand zu geben, die in ihre Welt passen in diesen Zeiten und in dieser Kultur - genau Mohammed, genau wie Moses, genau wie Jesus… Damit ihre Mitmenschen etwas haben, was sie verstehen können und gut miteinander umgehen, damit sie einen Glauben haben können.

Aber eigentlich geht es um die eigene Welt - das verstehen nur viele Leute nicht, weil sie zu einfach sind, oder zu ängstlich.

Was uns wieder zum Ausgangspunkt zurückbringt - nämlich dass die Angst die man haben kann, sich selbst rechtfertigt weil sie alles anziehen wird, wovor man Angst hat.

Aber dass es nicht nötig ist, Angst zu haben, weil Entscheidungen die man nicht trifft das Leben genauso beeinflussen wie die, die man trifft. Und manchmal noch viel mehr - nur dass man selbst dann dumemrweise nicht an der Entscheidung teilhatte…

Kommen wir mal zum Thema Flirten damit es praxisnah wird: Wenn ich nicht zu diesem Menschen hingehe und “mein Glück versuche” wird das mein Leben genauso beeinflussen, wie wenn ich es tue. Aber wenn ich es tue, dann kann ich immer sagen: Ich habe mich getraut. Ich habe eine Entscheidung getroffen und AKTIV bestimmt, wie die Geschichte passiert…

Ich habe gemerkt, dass jede Entscheidung, die ich getroffen habe, eine Erfahrung oder Entwicklung ausgelöst hat, die mich zu diesem Punkt gebracht hat, an dem ich bin.

An Gott glauben heisst vor allem auch an sich selbst glauben!

Ich habe das verstanden. Irgendwann. Und seitdem habe ich nie mehr wirklich Angst gehabt.

Amen.

Auf meinem Schreibtisch ist heute ein Zettel aufgetaucht, auf dem ich mir einen Satz notziert habe, von wem weiss ich nicht mehr:

Speak truth. You do not deserve to be loved unless you have the balls to be hated.

Übersetzung:
Sei ehrlich. Du verdienst es nicht geliebt zu werden wenn Du nicht “die Eier” hast, gehasst zu werden.

7 Responses to “Ängste”

  1. Maria Says:

    Liebe Nina
    Deine Gedanken haben mich berührt.
    Ich wünsche dir eine traumhafte Adventszeit.
    Liebe Grüße Margret

  2. Claus Gerg Tornai Says:

    Sehr geehrte Frau Deißler,

    in Ihrem Flirtblog über Ängste - gefäält mir überiges gut - schreiben Sie, daß Sie mit der christlichen Religion, wie sie sich derzeit präsentiert, nichts anfangen können. Mir ging es ähnlich, bis ich auf das Buch “im Lichte der Wahrheit” von Abd-ru-shin stieß. Es beantwortete mir alle Fragen und noch darüber hinaus. Wenn ich nur ein Buch besitzen dürfte, wäre es das. Es schlägt eine Brücke zwischen allen Religionen und Weltanschauungen, es steht quasi darüber.

    Viele Grüße

    Claus G. Tornai

  3. hai_kai Says:

    Hallo Nina,

    wow. Das war ein beeindruckender Text!
    ich komm auch noch zu Dir um das flirten zu lernen ;-)

    LG
    kai

  4. David Kremer Says:

    Hallo Frau Deissler,

    danke für diese Anregungen. Ich finde sehr viel Wahres daran, dass nicht-getroffene Entscheidungen das eigene Leben genauso verändern wie getroffene Entscheidungen.

    Allerdings finde ich: Getroffene Entscheidungen sind insofern anspruchsvoller, weil man mit der Entscheidung zum Akteur wird, dem man - oder man selbst sich - die Verantwortung für die Entscheidung zuschreibt. Und das heisst auch, andere (und sich selbst?) unter Umständen gegen sich aufzubringen, wenn es Zielkonflikte mit der eigenen Entscheidung gibt. (Wie Sie geschrieben haben: Man muss bereit sein, sich hassen zu lassen.)

    Für das Flirten stelle ich mir sich selbst verstärkende Prozesse (Teufelskreis - Engelskreis) vor:

    Positiv:
    Mut zum Risiko, abgelehnt zu werden => auf Flirtpartner zugehen => positive Erfahrung (entweder weil ich angenommen werde oder weil die Ablehnung weit weniger schlimm ist als angenommen) => mehr Mut zum Risiko, abgelehnt zu werden => usw.

    Negativ:
    Angst davor, abgelehnt zu werden => nicht oder gehemmt auf Flirtpartner zugehen => negative Erfahrung (entweder weil ich mich wieder nicht getraut habe oder weil mein uneindeutiges Verhalten nicht gut angekommen ist) => mehr Angst, abgelehnt zu werden => usw.

    Dasselbe gilt für die Themen “Spontanität gegenüber Flirtpartner”, “Selbstsicherheit” usw.

    Spannendes Thema!

    Bieten Sie eigentlich auch Seminare für Berufstätige an, oder spielt das Alter bei dem Thema keine Rolle?

    Schöne Grüße,
    David Kremer

  5. admin Says:

    Hallo Herr Kremer,
    demnächst wird es tatsächlich auf “Business Flirten” als Training geben!
    Wir dürfen gespannt sein ;-)
    Herzlichst
    Nina Deißler

  6. Stephan Says:

    Liebe Nina,
    was Religion, Angst und die Sicht aufs Leben angeht, habe ich mir schon oft ähnliche Gedanken gemacht. Allerdings fehlt mir dann doch gerne mal die Weitsicht oder der Mut (hallo liebe Angst) das auf mein Leben anzuwenden.

    Deinen Text zu lesen war deshalb eine kleine Offenbarung und hat mir einiges nochmal klarer gemacht. Und wenn das Wort Offenbarung nicht so geschwollen klingen würde, wäre es noch toller.

    Ich weiß nicht genau was ich erwartet habe, als ich diese Seite angesurft habe. Ich würde mich nicht als Mensch sehen, der dringend ein Flirttraining nötig hätte. Aber ich schätze das denken die meisten Singles von sich… Wie auch immer - ich bin echt positiv überrascht. Manchmal lohnt sich eben doch der Blick ins Mobil-Magazin der Bahn ;-)

    Freue mich schon auf neue (und die alten) Einträge :-)
    Schöne Grüße
    Stephan

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