Die Welt in Deinem Kopf…

“Die Welt findet in Deinem Kopf statt.”, ist eine der Kernaussagen meiner Trainings - was das in der Praxis bedeutet, habe ich neulich jemandem zeigen können:

Ich war mit einer Journalistin verabredet, die mit mir über das Flirten und wie man es geschickt anstellt reden wollte. Sie wirkte überhaupt gar nicht schüchtern - bis zu dem Moment, als ich ihr vorschlug, doch einfach mal ganz freundlich und oberflächlich Kontakt zu dem netten Mann aufzunehmen, der ein paar Meter weiter am Tresen saß und Kaffee trank. Ich gab ihr sogar einen perfekten Vorwand: Ich wollte sehr gerne noch einen Kaffee haben - aber die Bedienung in dem Laden war nicht sehr aufmerksam…

Also: Einfach hingehen, versuchen die Aufmerksamkeit der Kellnerin und des netten Herrn zu gewinnen, etwas bestellen, ein paar nette Worte wechseln, zurück kommen… mehr nicht. Die junge Dame wurde blass, dann rot, dann wieder blass. Ihr wurde komisch… sie wurde wahnsinnig nervös. Ihr Kopfkino sprang an und sie erfand allerlei Geschichten: Was der Typ wohl über sie denken würde, was wohl passieren könnte und was noch alles. Sie begann zu zittern, war wahnsinnig aufgeregt und bekam hecktische Flecken im Gesicht. Und das alles nur wegen ein paar Sekunden der Kontaktaufnahme mit einem Fremden - aber sie setzte sich immerhin in Bewegung!

Am Tresen angekommen allerdings schwand jeglicher Mut - sie bestellte schnell einen Kaffee und noch etwas für sich und flüchtete dann zurück zu unserem Tisch. Dort begann sie, sich Vorwürfe zu machen und weitere Geschichten darüber zu erfinden, was der Typ jetzt wohl über sie dachte und wie dämlich sie sich anstellte und so weiter und so fort.

Der “Typ” allerdings hatte nichts weiter getan als einfach nur da gesessen und sie kurz freundlich angelächelt - was hätte er auch tun sollen? Sie hatte ihm keine Gelegenheit für einen Gesprächsanfang gegeben…

Kannst Du Dir ihr Gesicht vorstellen, als ich etwas später folgendes machte: Ich ging zu dem “Typen” und wechselte ein paar Worte mit ihm, darauf legte er seinen Arm um meine Hüften und wir küssten uns.

Sie war völlig geschockt!

Ich nahm den Mann bei der Hand und brachte ihn mit an unseren Tisch, dann sagte ich zu ihr: “Darf ich vorstellen: Das ist Claudius, mein Mann.”

Ich hatte ihn absichtlich dort am Tresen “platziert” und hatte ihn darum gebeten, den “Lockvogel” für mich zu spielen, weil ich der jungen Dame zeigen wollte, welche absurden Geschichten wir uns selbst erzählen über andere, uns fremde Menschen. Eindrucksvoller hätte ich dieses Experiment nicht gestalten können. Natürlich war sie zunächst ein bißchen sauer - aber dann verstand sie, warum ich das mit ihr gemacht hatte. Sie war verblüfft darüber, was tatsächlich in ihrem Kopf abgegangen war, als sie noch dachte, Claudius wäre “ein fremder Mann”. Jetzt wo er das nicht mehr war, konnte sie völlig ungehemmt und entspannt mit ihm plaudern - ihre Angst war komplett verflogen und sie erkannte, dass die Gedanken in ihrem Kopf - ihre Glaubenssätze über Männer und Frauen und Flirts sie völlig verrückt gemacht hatten - und dass Claudius selbst gar nichts damit zu tun hatte.

Nein, unser Gegenüber hat nichts zu tun mit den Gedanken, die wir über uns und ihn erfinden - jeder reagiert nur auf seine Weise auf das, was man ihm anbietet.

Wie man Gedanken dieser Art loswird, kann man z.B. nachlesen in meinem neuen Buch “Flirt Talk” .

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