Flirten - was ist das eigentlich?

„Ich lerne relativ leicht Menschen kennen, habe häufig nette Gespräche - aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich flirte“. Diese und ähnliche Sätze höre ich recht häufig. Was ist denn dann also überhaupt ein Flirt?


Beim Flirt geht es vordergründig stets nur um den Flirt an sich – um einen Hauch von Sexualität, ein Augenzwinkern, ein Kompliment, eine Andeutung der Möglichkeit, dass man den anderen attraktiv findet.

Stellt man also den Flirt als vergnüglichste aller Kontaktaufnahme in die Mitte einer Skala, so befindet sich links davon der „nette Kontakt“ oder das „nette Gespräch“:

Auch hier geht es um nichts weiter als den Kontakt oder das Gespräch, aber es gibt keinen Hauch, kein Zwinkern und keine Andeutung. Es gibt nur Nettigkeit zwischen zwei Individuen, deren Geschlecht auch völlig nebensächlich sein könnte. Wenn ich selbst einen „netten Kontakt“ zu jemandem habe, habe ich das meist sehr bewusst, nämlich dann wenn ich jemandem begegne, den ich unter keinen Umständen darauf aufmerksam machen möchte, dass ich eine Frau bin!

Dumm nur, wenn Dir das vielleicht ständig unabsichtlich passiert.

Unter diesem “Syndrom” leiden sehr häufig Menschen, die zum Beispiel in ihrem Beruf sehr seriös oder „geschlechtslos sein müssen” (es stellt sich die Frage, müssen wir das wirklich? Wären jemand ein schlechterer Arzt, eine schlechtere Anwältin, ein schlechterer Physiker wenn er/sie das ganze mit etwas Charme und geschlechtstypischem Verhalten ausübt? Mein Zahnarzt flirtet - ich danke ihm dafür!).

Ein netter Kontakt also, ist kein Flirt. Ein Flirt jedoch, ist keine Anmache:

Diese steht sozusagen auf der anderen Seite der Skala: Anbaggern, Aufreißen, Abschleppen oder Angraben – nenn es, wie Du willst. Die Anmache wird häufig als eine Form des Flirtens verstanden. Leider sogar von manchen Menschen als Definition des Flirts: Hingehen, Ansprechen, Abschleppen. Nein. Das Anmachen ist ein Spiel, bei dem nur einer gewinnt – der Anmacher, wenn er Erfolg hat. Genau deswegen geht „Flirten“ auch öfter mal schief: Die meisten Frauen werden nicht gerne angemacht. Sie haben es nicht gerne, wenn ein Mann plump mit einer eindeutigen Absicht an sie herantritt und sie das Gefühl hat angesprochen zu werden, weil schlichtweg Sex gefragt ist und sie eben gerade da ist und einigermaßen ins Beuteschema des Mannes passt.

Der Unterschied ist, dass hier in aller Regel unterstellt wird, dass nur die Absicht an sich (Sex) hinter dem Verhalten steht. Das kann natürlich funktionieren – ist aber kein Flirten, das ist Anmache.

Wenn jedoch ein/e „Anmacher/in“ sich dieses Unterschieds bewusst ist, ist der Umgang mit Körben deutlich leichter: Ich versuche eine Anmache – das heißt, ich habe eine fest Absicht, zum Beispiel einen One-Night-Stand: Mir als “Anmacher” ist dann klar, dass nicht jede Frau (oder jeder Mann) darauf eingehen wird, das ist okay.

Wenn ich jedoch nur flirten möchte und behandelt werde, als hätte ich angemacht – dann tut das unter Umständen deutlich mehr weh…

Ich habe einmal ein sehr schönes Beispiel für eine Anmache und den Umgang damit erlebt:
Ich war mit drei Freundinnen in Hamburg unterwegs – wir saßen uns an einem Tisch gegenüber auf dem Außengelände einer Musikkneipe in der Nähe der Reeperbahn, als plötzlich ein recht gutaussehender Typ in unserem Alter an den Tisch trat und meine Freundin gegenüber ansprach. Da die beiden bereits Blickkontakt hatten und er freundlich fragte, “gestattete” sie ihm, sich neben sie zu setzen. Die beiden sprachen kurz miteinander (wir konnten aufgrund der Musik nicht viel verstehen) dann hörte ich sie halb lachend sagen „Nein, ich glaube nicht!“ woraufhin er aufstand, bedauerte und sich sehr höflich verabschiedete. Meine Freundin blieb mit offenem Mund und sprachlos wirkend sitzen. Was war geschehen? Ohne große Umschweife hatte er ihr nach einem Kompliment über ihr süßes Lächeln und das hübsche Gesicht angeboten, bei (und mit) ihm zu schlafen und eine schöne Nacht zu verbringen. Da meine Freundin damals schon (und auch heute noch) glücklich verheiratet war, lehnte sie ab und er verabschiedete sich wie gerade beschrieben.

Der junge Mann nahm sich diese Absage tatsächlich keinesfalls zu Herzen sondern machte im gleichen Takt weiter – als wir nach ca. einer Stunde die Location wechselten, hatte er offenbar jemanden gefunden, der seine Absichten und Interessen teilte. Eng umschlungen verließ er gerade mit einer Blondine das Terrain. Offenbar hatte beide gefunden, was sie suchten.

Der Flirt selbst hat zwar eine sexuelle Komponente, doch diese schwingt nur unterschwellig mit: Es ist eine Art Spiel, die sowohl ernst gemeint als auch rein spielerisch sein kann. Genau das macht den Flirt ja so schön und so aufregend.

Bei einem Flirt kommuniziere ich im Grunde auf unterschiedlichen Levels mit Personen immer dieselbe Frage: Ich zeige ein „Ich finde Dich gut / attraktiv / sexy / begehrenswert“ und ich möchte wissen, ob Du über mich auch so denkst. Das kann zum Beispiel schon dadurch geschehen, dass ich jemandem zulächle – und dieser Mensch lächelt zurück. Voilá!
Das ist, was ich einen „Miniflirt“ nenne. Ob es bei einem Lächeln bleibt, oder zu einem Gespräch, einem Drink, einem One-Night-Stand oder einer Ehe kommt ist letztlich egal.

Das Spiel steht immer im Vordergrund: Wenn ich mich nach einem Flirt fragen kann „Wie ernst war das denn jetzt gemeint?“, dann war der Flirt auf genau dem richtigen Level.

Genau das macht das Flirten im Grunde auch ungefährlich: Wenn Du Dir klar darüber bist, was Flirten wirklich ist und was Du damit erreichen kannst, ist das die halbe Miete. Es ist ein Spiel und es kann mehr daraus werden - muss aber nicht!

Ich flirte zum Beispiel sehr gerne mit meinem Obsthändler – ich bin ziemlich sicher, dass auch ihm klar ist, dass ich keine sexuellen Absichten ihm gegenüber habe und auch er lauert sicher nicht ernsthaft darauf, mich bei nächster Gelegenheit in seinem Warenlager zu vernaschen – aber wir spielen das Spiel weil wir die Aufmerksamkeit des anderen genießen: Wir machen uns Komplimente, zwinkern uns zu, lassen ab und zu sogar leicht zweideutige Kommentare fallen. Das macht Spaß und das Leben süß. Außerdem kurbelt es die Wirtschaft an: Ich bekomme ab und an ein kleines Geschenk von ihm (eine Feige, einen Apfel o.ä.) und er kann sich meiner Kundentreue sicher sein.

Kein Sex – trotzdem Flirt!

Also: Happy Flirting!

2 Responses to “Flirten - was ist das eigentlich?”

  1. carlos Says:

    “Bei einem Flirt kommuniziere ich im Grunde auf unterschiedlichen Levels mit Personen immer dieselbe Frage: Ich zeige ein „Ich finde Dich gut / attraktiv / sexy / begehrenswert“ und ich möchte wissen, ob Du über mich auch so denkst. Das kann zum Beispiel schon dadurch geschehen, dass ich jemandem zulächle – und dieser Mensch lächelt zurück. Voilá!”

    Besten Dank für die Super -Definition was Flirten eigentlich ist…denn viele missverstehen Flirten nur als Anmache ,was es ja gar nicht ist.Sondern “nur” ein mehr oder weniger subtiles Geben und Nehmen auf ,na eben auf der Flirtebene.Ein kleiner Kick für das Selbstwertgefühl für alle Beteiligte.

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