Männer in Angst
Kurz nach unserem letzten Flirttraining “Flirten macht glücklich” in Hamburg erreicht mich eine Email von einer überaus attraktiven Teilnehmerin, die eine Situation beschrieb, wo sie nun eben endlich mal nicht gleich wegschaut, wenn sie einen attraktiven Mann sieht. Und was tut dieser arme Mensch? Er fühlt sich ertappt und ergreift die Flucht.
Zurück bleibt eine verwirrte, attraktive und intelligente Frau, die sich fragt, was sie denn nur falsch gemacht habe. Sie hat doch nur gelächelt…
Da fiel mir folgende Geschichte wieder ein:
Bei einem Flirtkurs im Museum für Kommunikation Berlin durfte ich diesen Menschen kennen lernen: Wissenschaftler, groß, recht gutaussehend, sehr sympathisch, großartiger Humor. Nur lebte er offenbar leider in der festen Vorstellung, dass er für Frauen einfach nicht interessant sei und mit einem so trockenen Beruf einer Frau nichts attraktives bieten könne, was sie gut finden würde.
Bei dem zweitägigen Training gibt es immer ein paar Aufgaben für den Abend, die jeder für sich oder mit anderen zusammen ausprobieren soll. Sein Bewältigungsversuch sah so aus:
Er fuhr nach Hause und fing an seine Wohnung zu putzen. Er saugte, spülte, kehrte, putzte bis ca. 23 Uhr. Dann ging er über die Straße in die nächste Kneipe. Da saßen tatsächlich zwei Frauen am Tisch, die er unsicher anlächelte als er reinkam und sie aufsahen. Die beiden lächelten freundlich zurück. Daraufhin packte ihn die Panik, er setzte sich mit dem Rücken zu den beiden, trank hastig ein Bier und ging wieder nach Hause.
Er behauptete, der Kurs habe ihm nicht viel gebracht. Er sagte auch, er hätte sich auch nicht entspannen können, weil eine der Teilnehmerinnen ja Journalistin gewesen sei und das wäre doch sofort klar gewesen, dass die ja viel zu hübsch wäre, um tatsächlich Probleme mit dem Flirten zu haben. Hatte sie aber - genau deshalb hat sie dieses Training besucht, um es zu lernen und über ihre Erfahrungen zu schreiben. Und sie hat im Gegensatz zu ihm die Aufgaben gemacht und etwas gelernt…
Eine schöne Ausrede - und so schade für ihn. Er hat sich nicht getraut, über seinen Schatten zu springen. Er glaubt immer noch, dass er für Frauen nicht interessant ist - und das obwohl ihm auch in dem Training mehrere Frauen sagten, dass sie ihn wirklich gut und interessant finden.
Das ist leider alles andere als selten: In einem anderen Flirttraining drückte sich ein Teilnehmer vor der Rausaufgabe, indem er für den Abend ein Date arrangierte. Ausnahmslos alle Teilnehmerinnen gaben ihm das Feedback, dass sie ihn attraktiv finden und es sehr schade fanden, dass er abends nicht dabei war und dass sie ihn gerne näher kennen gelernt hätten. Als ich ihn danach fragte sagte er: “Ja, das hat mich auch gewundert!”
Ich fragte ihn, ob er denn die Frauen attraktiv fand.
“Ja, doch, schon!”
Ich fragte ihn, ob er denn eine davon mal angerufen hätte.
“Äh… ja nö!”
Um Chancen zu nutzen, muss man sie auch erkennen können - um Chancen zu erkennen muss man glauben können, dass man eine hat…
Selbstvertrauen wächst leider nicht über Nacht.
Oktober 5th, 2007 at 18:30
Mal andersrum gefragt: Wann ist denn ein Flirt kein Flirt mehr? Wo hört er denn auf? Wann wird aus dem Spiel Ernst? Wie kehre ich um, wenn es zu heiss wird? Wie halte ich die Balance im Spiel? Wie ist der spielerische Exit? Fragen über Fragen…
Oktober 6th, 2007 at 17:57
Hi Cem,

sehr gute Frage - die passende(n) Antwort(en) gibt es im neuesten Eintrag!
Oktober 6th, 2007 at 18:48
Danke für die gute und klärende Antwort