Schüchternheit - das “schwarze Loch”

Was vielen Menschen passiert, wenn sie jemanden sehen, den sie “richtig toll” finden ist: Gar nichts.
Der Mund wird trocken, die Hände werden feucht aber ansonsten setzt sich nichts in Bewegung - ein gähnend schwarzes Loch entsteht im Kopf und verschwindet erst wieder, wenn die Situation vorbei ist. Wie kommt’s dazu - und vor allem: Was kann man dagegen tun?

Was in so einer missglückten Flirtsituation abläuft ist bei fast allen Menschen gleich: Sie sehen alles, was sie an diesem Menschen toll finden und fantasieren sich dann hinzu, wie toll dieser Mensch insgesamt sein muss. Das vergleichen sie dann (dummerweise) mit allem, was sie an sich selbst nicht so toll finden. Bei diesem Vergleich schneidet man dann meist relativ schlecht ab. Und fühlt sich nicht wert - nicht gut genug, sich selbst dem anderen “zu zu muten”…

Glücklicherweise ist es jedoch so, dass kein Mensch auf der Welt vollkommen ist und meines Wissens nach auch keiner sich so fühlt.

Für die Männer:

Keine Frau auf der Welt fühlt und findet sich auch nur ansatzweise so schön, attraktiv oder toll, wie ein Mann sie findet. Genau das ist der Grund, warum vielleicht auch manchmal sicherlich ernst gemeinte Komplimente eines Mannes mit Irritation zur Kenntnis genommen werden.

Wenn eine Frau vor dem Spiegel steht, sieht sie zwar dass sie schönes Haar hat und/oder schöne Augen hat - aber das ist “normal”. Viel mehr jedoch wird sie sehen (und ausschweifend bemängeln), dass sie z.B. “zu dicke” Beine oder zu kleine Brüste oder einen zu schmalen Mund oder… oder… oder hat. Frauen sind sozusagen Weltmeisterinnen im “selbstzweifeln”.

Die meisten Frauen können sich daher überhaupt nicht vorstellen, warum ausgerechnet sie ausgerechnet DICH - den Mann - mit Angst erfüllen sollten. Das will ihnen gar nicht in den Kopf… wenn Du ängstlich bist, fragt sie sich deshalb ganz einfach nur: Was stimmt mit DEM nicht!?

Wenn ein Mann aber zwar ein wenig nervös dabei aber mutig ist, dann freut sie sich eigentlich eher weil sie sich denkt: Ist der wirklich meinetwegen nervös? ICH mache jemanden nervös - was für ein Kompliment!

Es ist okay wenn man(n) nervös ist - wäre doch traurig, wenn man immer supercool bleiben könnte wenn man jemanden toll findet und die Libido sich regt ;-)


Für die Frauen:

Frauen können sich offenbar überhaupt nicht vorstellen, wie einfach es im Grunde für sie sein könnte, Männer kennen zu lernen. Ladies: Männer haben vor allem an einem Samstagabend auf der Piste meist tatsächlich nichts Besseres vor als genau das! Männer beschäftigen sich andauernd mit dem Gedanken an Frauen: Wie sie Frauen kennen lernen können, wie sie attraktiv auf Frauen wirken, wie sie eine Frau dazu bringen können Sex mit ihnen zu haben usw. usw.

Wenn Du eine Frau bist - ist das also schon mal die halbe Miete!

Für Männer ist es übrigens auch okay, eine Frau kennen zu lernen, die sich dann “gegen ihn” entscheidet. Für die Männer gut zu wissen: Viele Frauen können nur ganz schlecht “nein” sagen - deshalb blockieren sie lieber von vorne herein… Frauen: Das “tut nicht not” (wie der Norddeutsche sagt) - lasst den Mann doch mal auf Euch zukommen: Lächelt oder sprecht ihn an und entscheidet dann!

Wie schaffe ich es aber nun, meine ach so wunderbar antrainierte Angst und die damit einhergehende Sprachlosigkeit in den Griff zu bekommen?

Nun, jeder andere Mensch ist für Dich immer nur das, was Du über ihn bzw. sie denkst. Und nur diese Gedanken machen Dich fertig - nicht dieser Mensch.

Lerne also, etwas anderes zu denken!

Das klingt jetzt vielleicht schwer bis unmöglich - in Wirklichkeit jedoch ist es so einfach, dass man selber kaum drauf kommt:

Man kann es sich antrainieren: Man kann es sich sozusagen “einreden” - die Technik nennt sich “positive Affirmation” (mit schlechten Gedanken über sich funktioniert es ja auch!).

Das funktioniert so:

Ein Mensch, der Dir gut gefällt, ist ein so genannter “Schlüsselreiz”.
Dieser Schlüsselreiz ruft bei Dir bestimmte Gedanken hervor und diese Gedanken wiederum Gefühle. Diese Gefühle (Angst, Stress) führen zu weiteren Gedanken und dann zur unerwünschten “Lähmung”. Im Gehirn bildet sich im Laufe der Zeit so etwas wie ein “Trampelpfad” (Schlüsselreiz = bestimmter Gedanke = bestimmte Gefühle = Lähmung)
Also musst Du nun lernen, bei einem Schlüsselreiz nicht auf diesen „Trampelpfad abzubiegen”

Mach folgendes:

Du brauchst ein paar kurze griffige Affirmationen, die zu Dir passen. Ich mach hier einfach ein paar Vorschläge, die Du nehmen kannst - aber Du kannst Dir auch eigene zurechtlegen.
Wichtig ist, dass sie immer POSITIV formuliert sein müssen und zu Dir passen, also auch wahr werden können - z.B.
“Ich bin ein zärtlicher, aufrichtiger und deshalb begehrenswerter Mann/Frau”
“Ich kann diese Frau / diesen Mann mit meiner Liebe und meinem Charme total glücklich machen”
“Ich wüsste ein paar Sachen, die ich mit diesem Mädchen/Jungen gerne anstellen würde und sie/er würde es lieben”

Sowas in der Art.

Jedes mal, wenn Du jetzt also jemanden siehst, den Du attraktiv findest - egal ob nah, fern, im Fernsehen oder sonstwo, dann sagst Du innerlich Deine neuen Affirmationen zu Dir.

Du musst noch nicht auf die Person zugehen, wenn Du nicht bereit bist, sondern sage Dir zunächst diese Sätze und beobachte, wie Du Dich damit fühlst.

Du musst noch gar nichts tun… Es gibt Millionen hübsche Mädchen und Millionen netter Männer auf der Welt, die Dich verdient haben, Du kannst gar nicht alle kennen lernen…

Aber mach Dir auch klar:
Jeder Mensch, den Du gehen lässt, hat diese wunderbare Chance verpasst, Dich kennen zu lernen. Hat diese wunderbare Chance verpasst, mit Dir zu lachen, Komplimente von Dir zu bekommen, großartigen Sex mit Dir zu haben, mit Dir in die Sterne zu sehen und von Dir zu hören, wie hübsch er/sie ist, wie klug er/sie ist, wie sehr Du ihn/sie liebst, hat die wunderbare Chance verpasst mit Dir zusammen glücklich zu sein, kleine Geschenke zu bekommen, von Dir gestreichelt zu werden…

Wie schade… für diesen armen Menschen!

Vielleicht trifft dieser Mensch eine Stunde später irgendeine/n Andere/n, der nur halb so nett ist wie Du, nur halb so witzig und nur halb so sportlich oder halb so zärtlich… aber dafür doppelt so mutig… und gibt ihm/ihr die Telefonnummer, nicht Dir. Und er/sie verabredet sich - nicht mit Dir…

Wäre doch irgendwie schade, oder?

10 Responses to “Schüchternheit - das “schwarze Loch””

  1. Andreas Says:

    Sehr amuesant, ich weis nicht ob das so einfach ist. Frauen und Maenne sind weitaus komplexer. Sprichst du hier eigetlich ueber studien oder ueber gewisse eigene erfahrungen

  2. Fanny Says:

    Andreas - ich glaube, Dein Selbstwertgefühl ist nicht besonders ausgeprägt

  3. Matthias Says:

    Ich habe Mitte August den Kursus bei Nina absolviert und muss sagen, dass alles stimmt. Sicherlich spielt einem der innere Schweinehund oftmals einen Streich. Aber durch die praktischen Übungen stellt man ganz schnell fest, dass es es ziemlich schwierig ist einen “Korb” zu bekommen.
    Vielen Dank, Nina, nochmal für dieses klasse Wochenende.

  4. admin Says:

    Schade, dass “Andreas” hier keine echte Emailadresse angegeben hat, weil er mit diesem Kommentar lediglich eine Verlinkung zu einer anderen Seite hinterlegen wollte… (die natürlich direkt gelöscht wurde).
    Doch veranlasst sie mich zu folgendem Kommentar:
    Natürlich ist dies nicht ALLES - aber es ist ein Weg. (Vielen Dank Matthias, freut mich, dass dieser Weg für Dich auch funktioniert) Das Erstaunliche ist, dass viele Menschen häufig Zweifel haben, wenn die Lösung für ein “Problem” ihnen zu einfach erscheint… Zweifel, die sie lieber beklagen und diskutieren anstatt es einfach auszuprobieren.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es oft die einfachen Dinge sind, die uns weiterbringen - nicht die komplizierten Gedankenkonstrukte auf denen manche ihr Leben lang herumkauen und nicht weiter kommen.
    Ausserdem macht es mich darauf aufmerksam, vielleicht auch nochmal zu sagen, dass meine “gewissen eigenen Erfahrungen” aus 5 Jahren direkter und aktiver Arbeit mit Menschen stammen: Mit (überwiegend) Singles, Männer und Frauen - darunter mehr und weniger Schüchterne und davon bestimmt inzwischen an die 1.000 zwischen 18 und 68 Jahren in Trainings und im Einzelcoaching. Man dürfte also davon ausgehen, dass ich nicht über mich spreche… ;-)
    Probiert es aus - schreibt mir, wie es wirkt!
    Es interessiert mich.
    Nina Deißler

  5. Cem Says:

    Super, Nina! Schön dargestellt. Jetzt hast du mir da aber was eingeredet… :-)

  6. Jan Says:

    Finde ich super den Beitrag! Solche Trampelpfade gibt es im eigenen Hirn sehr viele, auch in ganz anderen Situationen. Ich finde es allerdings nicht so einfach, an ihnen vorbeizukommen. Denn es sind nicht nur Trampelpfade, man wird gelegentlich direkt angesaugt davon und ist schon am anderen Ende angekommen, bevor man’s überhaupt richtig kapiert hat.

    Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen: Man kann diesen angelernten Reaktionen tatsächlich entkommen und zwar genau so, wie hier beschrieben. 1. Anerkennen, dass es diese Automatiken gibt und dass sie erlernt sind und nicht etwa “gottgegeben”. 2. Sie in der jeweiligen Situation bewusst erkennen. 3. Nach und nach ein neues Verhalten antrainieren.

    Ein bisschen Geduld gehört dazu. Aber wenn man jahrelang mit solchen Dingen gelebt hat, sollte man sich selbst auch ein wenig Zeit einräumen, um sie zu überwinden.

  7. Chris Says:

    Der von Nina beschriebene Ansatz ist nicht falsch, denn er basiert auf einem uralten Instinkt der Menschen: wir assoziieren Dinge mit Gefühlen.

    Dieser Effekt zeigt sich am besten, wenn man jemanden kennenlernt und sein markantes Pafüm riecht. Selbst Jahre später kann man sich an diesen Duft noch erinnern, wenn er einem in die Nase steigt. Schlagartig denkt man an diese besondere Situation zurück (sofern die Situiation besonders intensiv war). Dieser ganz einfache Relex ist bei uns Menschen normal, denn sonst wähgren wir nicht lernfähig. Fässt man als Kind auf die heiße Herdplatte, dann weiß man instinktiv, dass diese gefährlich ist.
    Nur leider können einem bestimmte Gefühle anerzogen werden. “Sei nicht so laut”, “benimm dich!”, “sei brav” sind zumeist Aussagen der Eltern, die dazu beitragen, dass man statt offen und locker zu sein, eher verschlossener wird. Auch die frühere Schulzeit kann sein Übriges dazu beitragen…
    Also kann man sich umprogrammieren und diesen Effekt für sich positiv nutzen. Man assoziiert gute Gefühle und selbstbewusste Aussagen mit attraktiven Personen, sodass man als Schlüsselreiz bei schönen Menschen unterbewusst sein Selbstwertgefühl steigern kann.

    In jedem Falle ist es einen Versuch wert.

    LG Chris

  8. Christian Says:

    Sehr gut geschriebener Artikel!
    Was mir dazu noch einfällt: Oftmals, wenn man versucht seine Nervosität durch Coolness oder lockeres Dasein zu überspielen, kann dies auch bei dem Gegenüber den Anschein auslösen, dass Du kein Interesse hast an ihr/ihm.

    Grüße, Christian

  9. Tom Says:

    Hallo!

    Im Ansatz ist der Artikel schon richtig und auch gut beschrieben.

    Dennoch muß ich einen Einwand bringen. Da die Schüchternheit nicht nur auf “negativen” Selbstmeinungen besteht, sondern auch Teil unserer Entwicklung sind, die ja bereits im Kindesalter beginnt, und natürlich auch den Erfahrungen, die man mit dem anderen Geschlecht gemacht hat, addiert sich das alles zusammen zu dem Menschen, der man ist. Wenn man nun versucht, sich über das ” nur positive Erkennen seiner selbst”, diese Schüchternheit zu überwinden, so ist das nur ein Lüge, die man nicht ständig aufrecht erhalten kann. Die Schüchternheit basiert meiner Meinung nach sehr viel auf Selbstzweifel und weniger der Angst abgewiesen zu werden. Natürlich ist es schon wichtig und richtig, sich seiner positiven Eigenschaften bewußt zu werden, jedoch sollte man auch versuchen, alles negative zu erkennen und damit leben zu lernen. Wie beschrieben, ist kein Mensch perfekt. Mit dem Wissen, sowohl aller guten, wie auch schlechten Eigenschaften seiner selbst, kann man der Mensch sein, der man wirklich ist. In jeder Anfangsphase einer Beziehung (oder auch beim Kennenlernen) verbiegt man sich etwas und möchte nur das Beste zeigen. Nach der ersten Phase kommt dann meist ziemlich schnell die Ernüchterung und jeder zeigt sein wahres Gesicht und nicht mehr diese Maske, die man aufgesetzt hat. Dies ist auch wunderbar beschrieben in dem Buch ‘Frauen wollen reden. Männer hören nicht zu.’, wobei dort fast nur “Schwarz-Weiß-Sehen” zelebriert wird.
    Ich überwinde meine Schüchternheit, seitdem ich nicht mehr krampfhaft versuche, das Beste von mir zu zeigen, indem ich mich selbst akzeptiere, so wie ich bin und der Tatsache, daß es eigentlich egal ist, ob das andere Geschlecht einen so akzeptiert. Man muß sich selbst mögen, das allein ist wichtig und somit wird ein “Korb” nicht mehr zum Rückschlag, sondern zu einer Erfahrung, was und wie der/die Andere wirklich ist. Somit ist man einen Schritt weiter beim Erlernen der Menschenkenntnis und dadurch auch weiter beim Suchen des “richtigen” Partners.

    LG Tom

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