Warum ein “guter Rat” nichts nutzt

Vielleicht kennst Du das: Ein Freund oder eine Freundin von Dir steckt in einer blöden Situation – er/sie fragt Dich um Rat. Du siehst von außen ganz genau, dass die Person im Begriff ist, eine unglaubliche Dummheit zu begehen und sagst ihr das auch.

Der Freund oder die Freundin schluckt, nickt, seufzt… und macht es trotzdem.

Vielleicht kennst Du es auch von Dir selbst: Eigentlich weißt Du es besser und doch… und der gute Rat von Freunden nutzt nichts. Gar nichts.

Ich rate deshalb Menschen die zu mir kommen nie zu oder ab – ich kläre jedoch auf und coache - und das geht dann ungefähr so:

Lies doch einfach mal und erinnere Dich an eine Situation von Dir selbst in der es Dir so ging oder vielleicht sogar gerade geht und versetze Dich hinein. Dann sage ich Dir:

Dass das jede Menge Ärger bedeutet, weißt Du längst selbst, oder?

Aber wenn Du das was Du glaubst tun zu müssen tust, hast Du irgendeinen (meist unbewussten) “Mehrwert”, der so groß ist, dass Dein Unbewusstes entschieden hat:
Das ist es wert - los, tu was du tun musst.

Meine Voraussage ist: Es wird Achterbahn - hohe Höhen, tiefe Tiefen, Du wirst leiden, es wird sehr unangenehm werden und irgendwann wird passieren, was Dich jetzt davon abhält, von Anfang an ein gutes Gefühl bei der ganzen Sache zu haben.

Ich kenne Deine Familie nicht und weiß nicht wie Du aufgewachsen bist, doch bestimmt wirst Du hier eine Spur finden: Suche in Deiner Kindheit nach „Parallel-Erfahrungen“ bzw. nach derselben Art von Sehnsucht und Schmerz - wie zum Beispiel:

- Hatte eines Deiner Elternteile unter dem anderen „gelitten“ und hattest du z.b. manchmal das heimliche Gefühl, du könntest deinem Vater eine bessere Frau bzw. deiner Mutter ein besserer Mann sein, als das jeweilige Elternteil? („Wenn Papa mit mir verheiratet wäre, dann….“)
- Hat ein Elternteil euch verlassen und eine neue Familie gegründet?
- War dein Vater oder deine Mutter “schwer zu kriegen” für dich als Kind? Oder war einer der beiden “nicht ganz bei der Sache” als Elternteil?
- Bist du häufig zu kurz gekommen und hast versucht, Dir Aufmerksamkeit zu verdienen?
- Hast du dich verantwortlich gefühlt dafür, dass andere in deiner Familie glücklich sind?

Das sind einige Beispiele, die auf viele meiner Klienten zutreffen, die sich z.B. in Menschen verlieben, die “nicht frei” sind für sie (egal was das im Einzelfall immer bedeutet, das kann ein Mensch sein, der bereits in einer Beziehung ist oder auch einer der nicht wirklich will).

Es gibt Dinge, die unsere Eltern uns vorgelebt haben und die wir internalisiert haben ohne es zu merken. Daraus resultieren dann Glaubenssätze über uns selbst, über die Liebe, über Beziehungen und das andere Geschlecht. Wir „lernen“ ohne es zu merken, wie bestimmte Dinge „eben sind“ und stellen sie daher auch nie in Frage.

Wenn wir klein sind, sind unsere Eltern unsere Referenzen: Sie sind das was “normal” ist, was die Welt ist. Was sie tun ist immer richtig. Später merken wir, dass das nicht stimmt - aber unser Unbewusstes hat es dennoch gespeichert. Auch machen unsere Eltern Sachen, die wir als Kind nicht richtig kapieren können, weil uns Erfahrung und Hintergrundwissen fehlt. Als Erwachsene könnten wir das verstehen - aber unser kindliches Unbewusstes hat es gespeichert und ein Fazit gezogen. Dieses Fazit kann uns ein Leben lang als Glaubenssatz begleiten, den wir versuchen zu bestätigen und zu leben und der uns großen Kummer bereiten kann.

Das können wir erst verändern, wenn wir das Muster erkennen, dass sich aus einem solchen Glaubenssatz ergibt und dann den Glaubenssatz finden und verändern können. Erst dann sind andere Erfahrungen möglich.

Wenn z.B. Deine Mutter ihre eigenen Probleme hatte und deshalb in manchen Dingen “inkompetent” war, dann hat diese Inkompetenz Folgen, die für Dich aber “ganz normal” waren, weil Du als Kind ja nie auf den Gedanken kämst, dass Deine Mutter irgendwie inkompetent sein könnte. (Gleiches gilt natürlich auch für Deinen Vater)

So gibt es Menschen, die gelernt haben, man darf nicht “nein” sagen, Liebe muss wehtun oder Männern (resp. Frauen) kann man nicht trauen oder oder oder…

All das ist zwar objektiv betrachtet Quatsch - aber leider manifestiert sich jeder Glaubenssatz und bestätigt sich auch, weil Du zielsicher immer wieder die Personen findest, die Dir “helfen” Deinen Glaubenssatz zu bestätigen und wenn es nicht von alleine klappt, hilfst Du eben nach (auch wieder unbewusst, das ist ja das Blöde dabei).

Die Psychologie sagt, wir re-inszenieren die “Dramen” unserer Kindheit weil unser Unbewusstes hofft, dass sie irgendwann bewusst und dann vom erwachsenen Bewusstsein gelöst werden.

Und genau das ist der Grund, warum uns immer wieder Situationen so verlockend erscheinen, dass wir nicht anders können, obwohl wir es „eigentlich“ besser wissen.

Und genau deshalb bin ich Coach geworden.

:-)

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3 Responses to “Warum ein “guter Rat” nichts nutzt”

  1. Julika Says:

    Liebe Nina,
    bei mir hat dieser Rat eindeutig geholfen. Habe ernsthaft über deine Abwägungen nachgedacht und musste feststellen, dass die “negativen” Aspekte überwiegen und habe mich gegen die Person entschieden. Im Nachhinein eindeutig die bessere Idee.

    Danke für all die Ratschläge! Mach weiter so!

  2. Partnervermittlung Leipzig Says:

    Ja manchmal brauch man den Abstand und einen klaren Kopf. Wenn man dann noch jemanden hat mit dem man reden kann und der auch zuhört, die Dinge auch reeller sieht, dann trifft man die richtige Entscheidung. Schlimm ist nur wenn man allein da steht und in seiner Verzweiflung das Falsche macht.

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